Fe+male shift – Frauen in Führung?

Die Zahlen und Statistiken zum Status Quo von Frauen in Führungspositionen lassen keinen Zweifel daran, dass deutsche Unternehmen in puncto Gleichberechtigung deutlich im Rückstand sind – offiziell beispielsweise hinter Lesotho oder Südafrika. Dabei gibt es unzählige Gründe, die Förderung von Frauen voranzutreiben. Geschlechtsgemischte Führungsgruppen haben aus Forschungssicht nicht nur gröβeres Innovationspotential, sie erzielen auch höhere Umsätze und Gewinne. Zudem ist das Empathievermögen bei Frauen statistisch gesehen stärker ausgeprägt – eine Führungseigenschaft die mit zunehmender Komplexität der Unternehmensstrukturen immer wichtiger wird. Ein weiterer Aspekt ist, dass andernfalls der Talentpool qualifizierter Mitarbeiter und Nachfolger in Zeiten von Industrie 4.0 nicht ausgenutzt wird.
Die Frage nach der Notwendigkeit, mehr Frauen den Weg in Führungspositionen zu ebnen, ist damit weitestgehend geklärt. Die Vorteile werden den Unternehmen zunehmend bewusst. Anders können sie dem demographischen Wandel, dem Fachkräftemangel und dem Mentalitätswandel, der sich mit ganzer Kraft auf die Unternehmen niederschlägt, nur bedingt entgegentreten. Die Verantwortlichkeiten für einen erfolgreichen „female shift“ der den derzeitigen Kulturwandel beschreibt, sind alles andere als klar.

Mangelndes, weibliches Selbstbewusstsein als Karrierekiller?

Laut Geschäftsführern läge das Problem vorallem im mangelnden Selbstbewusstsein der Frauen, die Initiative zum Aufstieg in höhere Führungspositionen zu ergreifen. Frauen hingegen beklagen die unzureichende Unterstützung der Führungsebene als auch das diskriminierende Verhalten von männlichen Vorgesetzten und Kollegen. Allgemein gäbe es aber auch viel zu wenig Netzwerke und Begleitprogramme von Seiten der Gesellschaft, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. So verpflichtet die Bundesregierung lediglich rund 100 der gröβten deutschen Unternehmen dazu, 30% der Plätze im Aufsichtsrat mit Frauen zu besetzten.
Kein Wunder also, dass sich trotz der Einführung der Frauenquote die Anzahl der weiblichen Vorstandsmitglieder sogar verringert hat. Die Parteien ziehen sich aus der Verantwortung, machen sich gegenseitig Vorwürfe und können sich nicht auf gemeinsame Aktivitäten verständigen.

Multi-Level Konzept als Lösung auf Verschiedenen Ebenen

Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Ein Gesamtkonzept, das auf allen Ebenen –Frauen, Unternehmensleitung, Politik und Gesellschaft – eingreift. Ziel ist es bei diesem Programm, Frauen mithilfe der Kooperation von Unternehmensleitung und Führungskräften sowie Netzwerken und unterstützenden Maβnahmen aus der Politik, den Weg in Spitzenpositionen zu erleichtern, um Unternehmen letztendlich zu tatsächlicher Diversity zu verhelfen.
Gleichberechtigung, als neuer Megatrend, beinhaltet eben nicht nur die Förderung von Frauen sondern auch die Kompetenzenentwicklung der Führungskräfte zur Herstellung moderner Unternehmenswerte. Mit dem Female Shift muss parrallel also immer ein Male Shift einhergehen.

No female shift without the male.

Beitrag von Alexa Kaiser, Forschungsleiterin zum Thema “Nutzenabschätzung und Konzeptentwicklung eines Förderprogramms durch Mentoring für die Führungskraftentwicklung von Frauen im deutschsprachigen Raum” in Kooperation der International Business School Nürnberg.