Digitalisierung: Treiber der Gleichberechtigung?

Rein rechnerisch erhalten Frauen erst seit dem 19. März dieses Jahres, dem Equal Pay Day, Lohn für ihre Arbeitsleistung. Davor arbeiteten sie quasi umsonst! Berechnet wurde dieser Stichtag von der Gewerkschaft für Entgeltgleichheit bei Frauen und Männern anhand der Entgeltlücke. Rund 22 Prozent beträgt demnach der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland und ist damit so hoch wie in kaum einem anderen europäischen Land.

Ein Großteil dieses Prozentsatzes ist, wie mehrfach diskutiert, darauf zurückzuführen, dass Frauen in Führungspositionen und besser bezahlten Industrieberufen deutlich unterrepräsentiert sind. Aber selbst wenn man die Gehälter von Männern und Frauen mit gleichem Alter, vergleichbarer Erfahrung und Ausbildung sowie gleicher Tätigkeit bei gleichem Arbeitgeber betrachtet, bleibt ein erheblicher Unterschied. Deshalb fordern jetzt sowohl der Deutsche Gewerkschaftsbund als auch Stimmen in der Politik mit der „Equal Pay Day“-Kampagne ein Gesetz für mehr Lohntransparenz. Doch die direkte Lohndiskriminierung ist nur eine Seite des „Gender Pay Gap“-Problems.

Eine neue, von Accenture Professional Services durchgeführte Studie spricht dafür, dass Lohngleichheit bis zum Jahr 2040 (rund 25 Jahre früher, als bisher angenommen) erreicht werden kann, wenn Frauen u.a. im Umgang mit Social Media und Digitalisierung sicherer werden. Bei der Untersuchung wurde mit Parametern wie Internetzugang und Zugriff auf Netzwerkanwendungen am Arbeitsplatz ermittelt, inwieweit digitale Technologien angenommen und genutzt werden, um sachkundiger, effektiver oder besser vernetzt zu sein. Darüber hinaus prüften die Forscher in den Kategorien Bildung/Berufsvorbereitung, Beschäftigungsverhältnis (Jobsuche und Erhalt des Arbeitsplatzes) sowie Aufstiegsmöglichkeiten (Wie schnell steigen Frauen auf?), wie und ob digitale Affinität das berufliche Vorwärtskommen von Frauen erleichtert.

Digitalisierung als Abhilfe gegen das Gender Pay Gap?

Frauen, die open minded gegenüber der Digitalisierung sind, können nur gewinnen. Sie bilden sich tendenziell eher fort und gelangen dadurch an attraktivere Jobs, die sie ohne digitales Wissen nicht oder nur sehr bedingt erhalten würden. Dabei geht es nicht um detaillierte Informatikkenntnisse, sondern darum, zu wissen, welche Potenziale beispielsweise soziale Netzwerke oder die steigende Konnektivität beinhalten. Informationen als ständig verfügbare Ressource transformieren folglich auch die Art und Weise zielführender Weiterbildung. Wir befinden uns im Wandel von Industrie- zur Wissensgesellschaft. Digitale Fertigkeiten helfen also, Barrieren bei Aufstiegschancen zu beseitigen, da Frauen dann unter anderem über die Möglichkeit verfügen:

  • An den Orten zu arbeiten, wo sie glücklich und produktiv sein können (Homeoffice/Work everywhere)
  • Work-Life-Balance zu optimieren
  • Karrierechancen nachhaltig zu verbessern und den persönlichen Marktwert signifikant zu erhöhen
  • sich auf Grund eines völlig neuen Portfolios von Fähigkeiten selbst zu verwirklichen.

Zentral ist hierbei die Tatsache, dass die genannten Fähigkeiten heutzutage nicht mehr nur ein Nice-to-have, sondern ein Must-have sind.